Franziska Schaum

»Neben sich ganz dicht« Holzschnitt aus der Reihe Berlin Kollwitzplatz

Ausstellung in der Schaubühne Lindenfels zum Theaterstück »Käthe – vom Leben gezeichnet« Premiere 28.9.

»Bankrott« Holzschnitt aus dem Lyrikband von Eiríkur Örn Norðdahl.

Ich arbeite als Grafikerin und Illustratorin und habe schon immer gerne beobachtet: bei meinen Grosseltern in Thüringen von einem Platz in der Hecke aus die Insekten und Kriechtiere. Ameisen waren oft meine Beute und für das Netz einiger Spinnen bestimmt. Dieses Interesse ist geblieben.

Das Thema der Beobachtungen hat sich im Laufe der Zeit auf die Spezies Mensch erweitert. Der Titel meines Diplom-Holzschnittbuchs lautete z.B. Männer, eine Forschungsarbeit. Am Besten kann ich meine Erkenntnisse mit dem Stift auf Papier festhalten.

Es gibt inzwischen viele Zeichnungen, Holz- und Linolschnitte über das Leben und das alltägliche Drama darin, oft in schwarz weiß und linear, die nun auf dieser Website zu sehen sind.

Meine Inspirationen finde ich meist im Alltag. Frauen, Männer und Tiere, was sie sind, wofür sie sich halten, welche Rollen sie spielen, wofür sie sich interessieren. So läuft nun z.B. schon seit mehreren Jahren eine Grafikserie in der Berliner Zeitung über eine ganz besondere Beziehung: Frauen und Pferde.

»Jagen 2018«, Postkarte

Vor meinem Studium zur Grafikdesignerin habe ich eine Lehre zur Schriftsetzerin abgeschlossen. Das war in Berlin kurz nach der Wende und überhaupt nicht spannend. Womöglich auch weil ich nach meinem Abi in Treptow (damals Ost) ins Oberstufenzentrum Drucktechnik nach Wittenau kam!

Wo wir doch gerade die Welt verändert hatten und jeden Tag deswegen zu irgendeiner Demo gegangen waren. Nun also Schriftsetzerin in Westberlin. Es kam mir sinnlos und langweilig vor.

Um irgendetwas zu tun, fing ich an, meine zu 95 % männlichen Kollegen auszukundschaften und zu beobachten. Zu dieser Zeit hatte jeder neben seiner Workstation eine Flasche Wodka und einen Aschenbecher stehen und die Bildzeitung lag auf dem Tisch..»Alle Männer finden große Brüste toll« das war Standart in der Bude.

Umwege auf fremden Gebiet sind für mich seitdem immer auch Inspirationsquellen.

Verlagskatze

Mein Studium für Visuelle Kommunikation hat sich über zehn Jahre an drei Hochschulen ausgedehnt: Bauhaus-Uni Weimar, Hochschule für Grafik und Buchkunst Leipzig, UdK Berlin. Studieren fand ich sehr gut. So viele Anregungen und so viele Leute, die sich für dieselben Dinge interessieren, leider bleibt am Ende aber nur der Professor übrig.

So richtig viel hilft das Grafikdesigner Diplom und so ein Meisterschülertitel dann auch nicht bei der Lebenshaltung. Die Katze beißt sich immer noch in den Schwanz, ich hangele mich von Auftrag zu Auftrag und manchmal freue ich mich über einen Lehrauftrag. Wie das eben so ist, und wie der Versuch ausgeht, muss ich wohl beobachten. Das ist der Plan.